Trash-à-porter

In den USA wird sie „China Bag“ genannt, in Nigeria „Ghana-must-go-Bag“ und in Deutschland ist sie wahlweise als Türken- oder Polenkoffer bekannt, der vornehmlich in den 1-Euro-Shops der Republik anzutreffen ist. Wirklich zu Hause ist er jedoch überall.

Mit über 90 Namen auf der ganzen Welt dürfte die simple PVC-Tragetasche mit dem Karomuster nicht nur der blauen Ikea-Tüte als Ikone weit voraus sein, sondern vermutlich auch der Birkin Bag von Hermès oder der Chanel 2.55. Qualitativ kann sie mit letzteren Modellen zwar nicht mithalten (ihr Reisverschluss ist meist schon vorher kaputt), das Straßenbild prägt sie trotz allem wie keine andere Tasche. Ob Umzugskrempel, Einkäufe oder lästige Pfandflaschen. Transportiert wird in ihr so gut wie alles. Wozu also noch eine andere Tasche? Für den Grafikdesigner und Agenturinhaber Chris Rehberger ein Grund mehr dem 1-Euro-Shopper zu modischen Kultstatus zu verhelfen. Versucht hatte dies bereits Marc Jacobs, der sie als damaliger Chefdesigner von Louis Vuitton für die Frühjahr / Sommer Kollektion 2007 mit dem Monogramm bedruckte und vielleicht genau damit ihre Authentizität zerstörte. Bei Chris Rehberger ist sie schnörkellos. So, wie die Billigwarenhersteller in China und anderorts sie schufen. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, das sie nicht aus Plastik, sondern zu einhundert  Prozent aus vegan gefärbtem Ziegenleder besteht. Handgewebt und damit deutlich beständiger. Statt Polenkoffer heißt sie nun The Standard Bag.

Ob die It-Bags während der Fashion Week zukünftig gegen edle 1-Euro-Shopper getauscht werden? Die Schauen im September werden es zeigen.

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