Hoch hinaus

Noch nie war das Angebot an flachen und schicken Schuhen so groß. Kaum verwunderlich, dass sie High Heels und Co. immer öfter den Rang ablaufen. Hoch hinaus? Wagt sich kaum noch jemand. Könnte sich beim Anblick dieser opulenten Modelle jedoch ganz schnell wieder ändern..

„Du trägst High Heels? Mein Gott..“, war das Erste, das der Redakteurin mit den weißen Sneakern neben mir über die Lippen kam, als sie ihre Bekannte erblickte. „Wieso? Sind die seit neuestem verboten?“, entgegnete diese knapp und ließ sich auf ihren zugewiesenen Platz für die nächste Schau nieder. An den Füßen: 12 cm hohe Pumps. Knallpink. Die Frage war nicht unberechtigt. Zwischen all den Flatforms, Loafern und Sneakern wirkte das schwindelerregende Modell von Balenciaga tatsächlich irgendwie verboten. Wenn nicht sogar obszön. (Von der Farbe mal ganz abgesehen) In Anwesenheit der sogenannten „Flachgänger“ dann auch noch durch lautstarkes Geklacker aufzufallen fühlt sich dann in etwa so an, als würde die Hardcore-Veganerin plötzlich ihre Leidenschaft für Fendi statt für Stella McCartney verkünden: Falsch und noch dazu ziemlich komisch.

Doch nicht nur auf der Straße, auch auf dem Laufsteg wird die Weiblichkeit immer öfter gegen Bequemlichkeit getauscht. Schließlich kommt man in flachen Schuhen nicht nur schneller voran, sondern vermeidet auch noch ganz nebenbei die Schmerzen in den darauffolgenden Tagen. Eine Tortur, die sich (so scheint es) wohl nur noch die wenigsten freiwillig antun würden. Zumal der Turnschuh mittlerweile mindestens genauso chic daherkommt – wie etwa die Modelle von Chanel beweisen.

Werden Jimmy Choo, Louboutin und Aquazzura in Zukunft also nur noch als Ausstellungsstücke im Museum zu finden sein? Umringt von Frauen die darüber fachsimpeln, wie man so etwas nur jemals an seine Füße lassen konnte? Wenn es nach einigen Designern geht, haben die bequemen Tage bald ein Ende. Die Eleganz erlebt in dieser Saison nämlich ein regelrechtes Comeback. Und zwar jene Eleganz, die man nur beim Tragen von hohen Schuhen verspürt. Statt die Trägerin schonend an die Rückkehr zu gewöhnen (beispielsweise durch Kitten Heels), wird bei den Modellen der Herbst / Winter-Saison an kaum etwas gespart. Im Fall von Dolce & Gabbanna heißt das etwa: Weder an den Details, noch am Absatz. Mit seiner konischen Form und den filigranen Elementen, könnte dieser genauso gut die Krone von Queen Elizabeth zieren. Weniger königlich, dafür umso künstlerischer geht es bei Marni und Aigner zu. Sollten Sie also gerade planen in das erste Werk Ihrer Kunstsammlung zu investieren, vergessen Sie Damien Hirst und George Baselitz. Setzen Sie lieber auf die skulpturalen Modelle der beiden Modehäuser. Vorteil: Das Kunstwerk verkommt nach dem Kauf nicht als Staubfänger und die Angst vor ungeschickten Party-Gästen reduziert sich ebenfalls auf ein Minimum.

Bei so viel Eleganz dürfte es selbst den Turnschuhträgerinnen schwerfallen, dem Absatz (noch) länger zu widerstehen. Falls Sie demnächst wieder eindringlich von der Flachgänger-Kollektiv gemustert werden sollten, genießen Sie einfach die neidischen Blicke.

2sh

 

Im Uhrzeigersinn: Dries van Noten, Marni, Aigner, D&G

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