Beam me UP!

Das aktuelle Weltgeschehen kann schon mal den einen oder anderen Fluchtgedanken auslösen. Doch wohin? Die Mode liefert für die kommende Saison zum Glück reichlich Vorschläge.

„What will we do with all this Future?“  Alessandro Michele – Chefdesigner bei Gucci – hätte die Frage zu keinem treffenderen Zeitpunkt stellen können als jetzt. Die aktuelle Weltlage ist nämlich so turbulent, aufreibend und spannend wie nie zuvor: Frauen pochen immer kompromissloser auf ihre Rechte, Individualität befördert nicht mehr ins gesellschaftliche Abseits und das Bewusstsein für den Planeten gedeiht ähnlich wild wie die Guerilla-Gärten vor der Haustür. Doch nicht alle Ereignisse der vergangenen Monate waren so positiv gestimmt.  Erst kürzlich verkündete Donald Trump den Ausschluss von Transgendern im Militärdienst. Von den Terroranschlägen, die quasi schon zum Alltag dazugehören, mal abgesehen. Man möchte weg. Aber wohin? Wo finden wir diese bessere Welt, in der Hass, Gier und Egoismus nicht die Hauptrolle spielen?

Während wir auf diese Fragen noch immer nach einer passenden Lösung suchen, hat die Mode bereits eine Antwort gefunden. Besonders radikal fiel Karl Lagerfelds Plan-B hierfür aus: Während der Präsentation der Herbst / Winter-Kollektion von Chanel schickte er symbolisch gleich eine riesige Rakete gen Himmel. „Es ist im Moment nicht so toll hier, dann muss man sich eben in andere Welten begeben“, so der 84-Jährige. Welcher Ort käme dafür schon besser in Frage als der Mond oder eine fremde Galaxie? Die perfekte Rüstung dazu lieferte Lagerfeld ebenfalls gleich mit: Mäntel, Überwürfe, Shorts und Hosen erinnerten mit ihrem silbrig glänzenden Finish an das Innere eines Raumschiffs, während Perlen- und Pailettenstickereien wie die rund 26.000 Lichtjahre entfernte Milchstraße funkelten. Auch Accessoires waren von der Aufbruchsstimmung nicht ausgeschlossen:  Taschen in Form von Miniraketen, futuristischer Schmuck und elegante Glitzer-Boots, dürften sowohl auf der Straße als auch auf dem Mond den perfekten Auftritt garantieren. Unter der Führung von Felipe Oliveira Baptista nahm dieser beim Label Lacoste sogar ziemlich reale Formen an. Der 43-jährige Chefdesigner wählte als Kulisse nämlich den kargen Nachbau einer Mondlandschaft. Wenn seine Kollektion in den Boutiquen hängt wird ein normales Leben auf dem Planeten zwar noch nicht möglich sein, an ästhetischer Mode wird es den zukünftigen Bewohnerinnen aber nicht mangeln.

Und hinkommen? Auch darum muss sich niemand sorgen. Alessandro Michele lieferte im Rahmen der Mailänder Modewoche schon mal einen kleinen Vorgeschmack:  Die Aufmachung des Catwalks erinnerte dabei an eine spacige Gangway, die den Weg in eine neue Welt und Zeit zu ebnen scheint. Den Koffer mit den nötigen Habseligkeiten hatten einige der Models praktischerweise gleich dabei. Aber Michele wäre nicht Michele, wenn er seine Idee nicht noch ein klein wenig überspitzen würde. Für die Kampagne zur Herbst / Winter-Kollektion schuf der Italian Weirdo gemeinsam mit dem Artdirector Christopher Simmon und dem Fotografen und Regisseur Glen Luchford eine retro-futuristische Welt, in der sowohl Erdlinge mit Humanoiden, sowie Aliens und Roboter friedlich zusammenleben. Inspiriert wurde er dazu von den Sciene-Fiction-Filmen der 50er und 60er Jahre sowie von der Kult-Serie „Star Trek“.

Ganz so einfach, wie Alessandro Michele es seinen Models macht, wird es für uns zwar nicht. Mit den Entwürfen von Gucci, Chanel und Co. lässt es sich aber nicht nur wunderbar von der neuen Welt träumen, sondern die alte auch für einen Moment vergessen. 

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Images: TM & © 2017 CBS Studios Inc. STAR TREK and related marks are properties owned by CBS Studios Inc. All Rights Reserved / Gucci

Veröffentlicht in: Mode

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