Gute Nacht(schicht)

Für den Schönheitsschlaf muss sich heute niemand mehr rechtfertigen. Denn seine Wirksamkeit ist längst erwiesen. Unterstützt wird dieser nun von hochwirksamem Wirkstoffen aus dem Tiegel. Klingt garantiert nicht nur zu schön um wahr zu sein.

Es gibt kaum etwas, das Schlaf nicht kann: Er fördert unsere Kreativität, Gelerntes wird durch ihn leichter verinnerlicht und selbst vor schwierigen Entscheidungen soll er helfen, das Problem am nächsten Morgen in Luft aufzulösen. Während wir Nacht für Nacht gemächlich vor uns hinschlummern, passiert aber noch weitaus mehr. Denn auch die Haut profitiert während der nächtlichen Ruhephase. Nach neuesten Erkenntnissen erholt sich Hautzellen nachts nicht nur besser, es werden gleichzeitig auch DNA-Schäden repariert. Kommt der Schlaf zu kurz fühlen wir uns also nicht nur schlechter, sondern sehen auch so aus. Wie etwa die Studie schwedischer Forscher und der Psychologin Tina Sundelin zeigte, für die 25 Probanden zum Fototermin gebeten wurden. Einmal, nachdem sie zwei Nächte je acht Stunden geschlafen hatten, das andere Mal nur für jeweils vier. Die Fotos wurden anschließend 122 Personen gezeigt, die die Probanden nach ihrer Attraktivität, Gesundheit und Vertrauenswürdigkeit bewerten sollten. Die Testpersonen mit deutlich weniger Schlaf wurden dabei nicht nur als weniger gesund eingestuft, auch ihre Attraktivität hatte unter dem Entzug zu leiden.

Wer sich selbst und seinen Mitmenschen einen Gefallen tun möchte, sollte also vor allem eines: Schlafen. Während wir unseren Träumen nachjagen, legt der Organismus erst so richtig los. Im Regenerationsmodus werden Schäden bis zu acht mal schneller repariert als sonst, auch freie Radikale werden unschädlich gemacht. Beste Voraussetzungen also, um am Traumteint zu arbeiten. Dornröschen vergessen Sie aber am besten gleich wieder.

Auf Analyse-Apps auf dem Smartphone, feine Seidenkissen und Ohrstöpsel, die selbst den lautesten Nachbarn zum Schweigen bringen, beschränkt sich das Angebot aber längst nicht mehr. Eine noch schönere Nacht versprechen nun speziell für die Nacht entwickelte Masken und Cremes, wie die der Hamburgerin Jessica Hoyer. Die Idee zu ihrer eigenen Kosmetikmarke hatte die 36-Jährige paradoxerweise ausgerechnet ihrem Schlafmangel zu verdanken. Als damalige Agenturchefin reiste Hoyer viel durch die Gegend – aufgrund der jahrelangen Überarbeitung jedoch meist im Halbschlaf. Ihre Mutter, eine Aromatherapeutin, gab schließlich den Startschuss mit einem selbstgemischten Balm, der den Schlaf fördern sollte.

Vorher aber bitte Abschminken!

Was mit Schlaflosigkeit begonnen hatte, führte bereits nach kurzer Zeit zu einer ganzen Produktserie. Die 13 Cremes, Seren und Pasten teilen sich dabei in schlaffördernde und hautpflegende Produkte auf. Der Klassiker, das Sleeping Balm wird beispielsweise vor dem Schlafen gehen unter die Nase oder die Füße gerieben. Der Mix aus ätherischen Ölen wie Lavendel, Ylang-Ylang und Melisse sorgt dabei für Entspannung, die sich gleichzeitig auch positiv auf den Schlaf auswirkt. Währenddessen arbeiten das „Radiant Iconic Reborn“ Serum oder die „Nocturnal Signature“ Anti-Aging Creme am strahlenden Teint. Damit man sich nach dem Aufstehen nicht wie ein zerknittertes Lacken fühlt, setzt Hoyer auf eine Kombination aus Hyaluronsäure, Vitaminen und Astaxanthin – ein hochpotenter Wirkstoff, der wie grünes Botox wirkt. Nur eben ganz ohne unerwünschte Nebenwirkungen. Doch selbst die vielversprechendste Creme zeigt wenig Wirkung, wenn die Einschlaf-Routine  eher einem Glücksspiel gleicht. Ruhe, feste Zubettgehzeiten und Smartphone-Verbot in Kombination mit ausgewählten Nachtprodukten können diesen aber auf alle Fälle begünstigen.

Und falls die Nacht doch mal wieder kürzer als gewollt ist: Der Touche Éclat von Yves Saint Laurent hat schon Anfang der Neunziger die Spuren schlafloser (Party-)Nächte zuverlässig aus den Gesichtern gezaubert.

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„Femme Fatale“ by Inez and Vinoodh for Vogue China September 2012 / Inez van Lamsweerde & Vinoodh Matadin for Vogue Paris, April 2018

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