Geballte (Frauen)Power

Bisher spielten Frauen in der testosterongesteuerten Filmwelt vor allem nur die schöne Nebendarstellerin. Doch immer mehr nehmen die Sache selbst in die Hand. Männliche Unterstützung? Darauf verzichten sie auf diesem Weg nur zu nur gerne.

Der Sprung von meterhohen Klippen ist ein Leichtes, pfeilschnelle Gewehrkugeln werden einfach mit einer lockeren Handbewegung abgewehrt und selbst eine Horde blutrünstiger Soldaten wird eher als kleines Problem auf dem Weg zum Ziel gesehen. Was sich schon wieder nach purer Männlichkeit anhört, durch die am Ende mal wieder die gesamte Welt gerettet wurde, überzeugte die Kritiker im vergangenen Jahr ausnahmsweise mal in Form einer Frau. Als normal gilt dieses Bild leider nicht. Übernimmt Frau die Führung statt den Lippenstift nachzuziehen, sorgt dies jedenfalls noch immer für ziemlich verwunderte Blicke.

Bereits Mitte der 80er machte die amerikanische Comic-Zeichnerin Alison Bechdel auf dieses Problem aufmerksam. Der von ihr entwickelte Bechdel-Test zeigt anhand eines einfachen Fragenkataloges, ob ein Film sexistisch ist oder nicht und wie sehr er von stereotypischen Mustern durchzogen ist. Die Idee dazu lieferte ihre Comicserie „Dykes to watch out for“. In ihm ließ Bechdel zwei Frauen an einem Kino vorbeigehen und sich darüber unterhalten, dass sie keinen Film mehr sehen möchten, der die Kriterien des Tests nicht erfüllt. Aus dem Comicbuch führte dieser direkt ins echte Leben und dient seit nunmehr 33 Jahren als aufschlussreiches Tool im Hinblick auf Geschlechterklischees und Feminismus im Filmgeschäft. Die Liste derjenigen, die den Test nicht bestanden haben ist aber nicht nur viel zu lang, sondern auch ziemlich überraschend: Ob 500 Days of Summer oder Lola rennt. Selbst der beliebte Klassiker Breakfast at Tiffany’s wird den strengen Anforderungen nicht gerecht. Weg zu denken ist der Test trotz der kritischen Stimmen nicht. In Schweden gilt dieser sogar als eine Art Gütesiegel für Filme, der auch vom Schwedischen Filminstitut unterstützt wird.

In den letzten zwei Jahren hat sich glücklicherweise einiges getan. Nicht nur im Hinblick auf die Metoo-Debatte und unzählige Protestbewegungen wie den jählichen Woman’s March. Oder die Schauspielerin Jennifer Lawrence, die sich Ende 2015 für Gleichberechtigung in Sachen Gehälter einsetze. Immer mehr Frauen wird die Hauptrolle zugesprochen. So boxt sich Charlize Theron in „Atomic Blonde“ im Berlin der späten Neunziger durch, um an brisante Informationen zu kommen. Und in der Netflix Eigenproduktion „Glow“ sind es nicht etwa Männer die den Sprung in den Ring wagen, sondern Frauen – nämlich die erste weiblichen Wrestling-Gruppe der USA.

Nicht für eine Filmrolle, dafür aber in den echten Ring, steigt auch Schauspielerin Jessica Chastain. Frauenklischees verabscheut sie. Ihre Rollen sind vor allem eines: stark. In „Die Erfindung der Wahrheit“ spielt sie schon mal eine skrupellose Lobbyistin, in „Zero Dark Thirty“ jagt sie Osama Bin Laden und in „Der Marsianer“ leitet sie eine missglückte Mars-Mission. Nägel lackieren und über den Lover sinnieren? Lieber später. Oder am besten gar nicht. Schließlich gibt es weitaus wichtigeres zu tun. Als Jurymitglied in Cannes hielt sie im vergangenen Jahr etwa eine Rede darüber wie verstörend es sei, wie Frauen auf der Leinwand dargestellt werden. Auch sie blieb davon nicht verschont. Mit ihren roten Haaren und den markanten Sommersprossen fiel aus dem makellosen Rahmen Hollywoods. Doch Jessica Chastain wäre nicht Jessica Chastain, wenn sie auch hierfür eine Lösung im Ärmel hätte.

Statt sich auch weiterhin der Unterdrückung im Film hinzugeben, wie sie von Harvey Weinstein und unzähligen anderen anonymen Gesichtern ausgeht, gründete sie 2016 einfach ihre eigene rein weibliche Produktionsfirma. Mit Freckle Films feiert sie vor allem das, was noch immer nicht in den betagten Köpfen der Filmindustrie angekommen zu sein scheint: Die Einzigartigkeit eines jeden Einzelnen. Vor allem aber das Frau sein. Denn das kommt, in einer Gesellschaft die sich (vermeintlich) so weltoffen und kosmopolitisch zeigt, immer noch viel zu kurz.

Von einem kurzzeitigen Hype ist die neue Frauenbewegung weit entfernt. Auch 2018 steht ganz im Zeichen der Weiblichkeit. Und zwar vor und hinter der Kamera, wie etwa „Red Sparrow“ mit Jennifer Lawrence als Agentin im Ballerinakostüm, Tom Raider mit Alica Vikander oder The Darkest Minds der Regisseurin Alexandra Bracken beweisen. Noch mehr Frauenpower geht nur in der Fortsetzung der Ocean’s-Reihe. Männer? Ohne die kommen die acht Meisterdiebinnen in Ocean’s Eight bestens aus. Ihre Mission: Eine ziemlich wertvolle Halskette.

Frauen wissen eben, wofür es sich wirklich zu kämpfen lohnt. Dazu zählen eben nicht nur schöne Accessoires, sondern vor allem ihre Rechte!

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Image: Warner Bros. Pictures / Alison Bechdel

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