Plastic Fantastic

Hässlich, schädlich und hartnäckig noch dazu. Plastik ist verpönt. Wenn es nach einigen Designern geht, kann dies aber ruhig noch eine Saison warten. Im Kampf gegen die klassische Einkaufstüte ist Designer-Plastik nämlich nun die erste Wahl.

Roter Backstein, grauer Beton. Der raue Herbstwind hebt sie erst nur ein Stückchen in die Lüfte, dann immer höher. Bis sie schließlich auf dem Boden umher zu tanzen scheint. Die weiße Plastiktüte aus American Beauty dürfte wohl die mit Abstand bekannteste Tragetasche der Welt sein. Bis jetzt. Mit ihrer letzten Kollektion für das Modehaus Céline verabschiedete sich Phoebe Philo (natürlich) wieder mit einer It-Bag. Genauer gesagt mit einem schlichten Shopper aus durchsichtigem Plastik. Im Hinblick auf die Probleme, die durch das berüchtigte Material verursacht werden, kommt nicht umsonst die Frage auf: Hätte ein Modell aus Leder nicht den gleichen aber umweltfreundlicheren Effekt gehabt? Derzeit gelangen rund acht Millionen Tonnen Plastik pro Jahr ins Meer. Bereits im Jahr 2050 könnte dieser die Anzahl der dort beheimateten Fische übersteigen. In der aktuellen Saison scheinen darauf aber die wenigsten Designer Rücksicht zu nehmen. Oder doch? Während der Großteil bereits nach kürzester Zeit achtlos in der Mülltonne  oder Natur entsorgt wird, dürfte die Designer-Variante von diesem Gedanken wohl so ziemlich verschont bleiben. Denn wer würde das niedliche Modell mit pastelligen Details von Chanel schon freiwillig in die gelbe Tonne werfen? Oder den Koffer des Labels Helmut Lang einfach an den Straßenrand zum übrigen Sperrmüll stellen? Vom nietenbesetzten PVC-Modell des italienischen Labels Valentino – dio non voglia!!! – ganz zu schweigen.

So absurd der Trend im Hinblick auf Fast Fashion und der fortwährenden Verschmutzung unserer Seen, Meere und Wälder auch sein mag. Dank Karl Lagerfeld, Pierpaolo Piccioli und Phoebe Philo scheint sich die Plastiktüte endlich von ihrer gewohnten Wegwerfmentalität verabschiedet zu haben. Ob wir sie in Zukunft auch mehr zu schätzen wissen, liegt jedoch an uns.

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