Ey, Perle!

Bei Perlenschmuck musste man in der Vergangenheit vor allem an Großmutters verstaubtes Schmuckkästchen denken. Bieder muss dieser aber längst nicht mehr anmuten, wie die Entwürfe von immer mehr Schmucklabels beweisen.

 An Perlenschmuck scheiden sich die Geschmäcker. Was für die einen Ausdruck purer Eleganz ist, stellt für die anderen eher die sinnbildliche Verkörperung des Spießertums dar. Letzteres dürfte wohl vor allem auf den Großteil der modeinteressierten Bevölkerung zutreffen. Während die Queen bei ihren öffentlichen Auftritten so gut wie nie ohne zu sehen ist, verzichtet die Normalsterbliche nur allzu gerne auf ihn.  Alles, bloß keine Perlen! Man will schließlich nicht wirken, als hätte man sich – jedenfalls in modischer Hinsicht – bereits in die Frührente verabschiedet. Ja, Perlen haben es wahrhaftig nicht leicht. Erst recht nicht, wenn sie als drei oder gar vierreihige Variante am Halse baumeln. Gott bewahre..

Was die Mode angeht, so hat diese sich ja ohnehin längst von unnötigen Regeln und Vorurteilen befreit. Gefeiert wird gerade das, was auf den ersten Blick eher „verboten“ oder nonkonform erscheint. Einen besseren Zeitpunkt als jetzt hätte sich die Perle also gar nicht aussuchen können, um aus dem Inneren der schmutzig braunen Auster zu kriechen. Ob bei Gucci, Oscar de la Renta, Mulberry oder Marco de Vincenzo. Ohne  geht  jetzt und auch in der Herbst / Winter-Saison nichts. Dass der Trend nicht bloß für eine Saison gemacht ist, zeigen mittlerweile auch immer mehr Schmucklabels und verleihen dem schillernden Material eine nie dagewesene Modernität und Leichtigkeit.

Altbacken? Von wegen! © Mateo

Besonders charmant gelingt dies etwa dem Designer Matthew Harris mit seinem Label „Mateo“. Der New Yorker setzt mit seinen Entwürfen gut und gerne schon mal die Schwerkraft außer Gefecht. Auch vor der klassischen Perlenkette schreckt er nicht zurück. Seine Neuinterpretation hört auf den frechen Namen „Not your mother’s pearl collar“ und ist nur zur Hälfte mit Perlen besetzt. Inspiration für seine Entwürfe zieht er vor allem aus der modernen Kunst, statt aus Großmutters Schmucksammlung.

Deutlich radikaler nähert sich Designerin Mizuki Goltz dem Naturmaterial. Statt den klassischen Weg zu gehen, wählt sie lieber den ungewöhnlichen: Perlmutt kombiniert sie schon mal mit Leder, Goldlack und Diamanten. Klassisch? Kann ja jeder. Davon ist auch Pernille Lauridsen weit entfernt. Ihre Schmuckstücke wirken vielmehr, als wären sie Kandinskys Gemälde „Komposition VIII“, entsprungen. Für ihre Kollektion „Waves“ verwendete sie wellenartig verformte Stäbe aus Silber und Gold, die mit bunten Edelsteinen und unterschiedlichen Perlen verziert wurden. Die rebellische Coco Chanel hätte sich bei diesem Anblick wohl selbst auf die Schulter geklopft. War sie doch eine der Ersten, die der biederen Perle mit Hut, Weste und Fluppe im Mund die Strenge nahm.

Falls es doch mal das Erbstück von Großmutter sein soll: Setzen Sie auf geschickte Brüche. In Kombination mit einer locker sitzenden Boyfriend Jeans, T-Shirt und Tweedjacke wirkt selbst die spießigste Perlenkette plötzlich ziemlich cool. Oma wäre stolz auf uns. Und die Queen mit Sicherheit ganz schön neidisch!

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